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Schmerzmittel: Gefahr oder Hilfe?


Schmerzen, © Jacek Chabraszewski - Fotolia.com

Jeder Achte Einwohner Deutschlands hat chronische Schmerzen!

Das sind in Deutschland ungefähr zehn Millionen Menschen, die offenbar ein Leiden eint. Kann man daher von einer Volkskrankheit sprechen? Frauen sind übrigens deutlich häufiger betroffen als Männer.

 

Akute Schmerzen erfüllen als Warnzeichen des Körpers eine wichtige Funktion. Jeder kennt das Beispiel eines Kindes, das mit den Fingern auf die heiße Herdplatte langt und sofort zurückzuckt. Oder wenn die Hautoberfläche verletzt ist, sprechen wir auch von einem akuten Schmerz.

Chronische Schmerzen dagegen gelten als eigenständiges Krankheitsbild, vor allem wenn sie länger als mehrere Monate andauern. Auslöser können psychosomatische Probleme sein, aber auch Rückenleiden, Rheuma, Diabetes oder eine Krebserkrankung. Man muss sie also auf jeden Fall ernst nehmen und ärztlichen Rat einholen. Bei chronischen Schmerzen, die oft ein Leben lang anhalten, ist ein Ziel des Therapeuten, diese Schmerzen erträglicher zu machen. Zunächst erfolgt das nach eingehender Anamnese durch eine gezielte medikamentöse Einstellung (z.B. mit Opioiden). Sehr hilfreich haben sich als zusätzliche Ergänzung auch Krankengymnastik, Akupunktur und diverse Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation, medizinische Hypnose, Yoga und dergleichen erwiesen.


meditierender Buddah

Man lernt dabei, den Schmerz als vorhanden zu akzeptieren bzw. besser damit umzugehen. Oft hilft auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, hier sei vor allem Ernährung, Stressbewältigung und die sog.      "work-life-balance" (also der vernünftige Einklang von Arbeit und Privatleben) genannt. Sportliche Betätigung kann zudem helfen, die Schmerzen in den Hintergrund treten zu lassen, da bei regelmäßiger sportlicher Betätigung körpereigene Endorphine produziert werden. Endorphine sind körpereigene Opiodpeptide und sollen bei ihrer Ausschüttung einen Glückszustand hervorrufen, der einen den Schmerz vergessen oder zumindest in den Hintergrund treten läßt.DF

Schmerztypen und der vermutliche Zusammenhang:

In der Wissenschaft geht man heute davon aus, dass die verschiedenen Schmerztypen sich je nach Ihrer Ursache unterschiedlich anfühlen. So gibt es zum Beispiel folgende Schmerztypen:

Reflektorischer Schmerz:

Seine Ursache findet sich meist im psychosomatischen Bereich, seelischer Anspannung oder auch durch falsche Körperhaltung (etwa durch falsche Sitzhaltung am Schreibtisch). Die häufigsten Schmerzen mit dieser Ursache sind Migräne, Spannungskopfschmerzen, Nackenschmerzen, Schulter- und Rückenschmerzen.

Psychosomatischer Schmerz:

Auch hier ist die Ursache meist in seelischer Belastung zu finden. Burnout, zu viel Streß, Sorge um Arbeitsplatz oder Familie, Verlust eines Partners oder Familienmitglieds sind hier die Hauptfaktoren. Der psychosomatische Schmerz zeigt sich ähnlich wie beim reflektorischen Schmerz oft auch im Bereich der Kopf- Rücken- und Schulterschmerzen.

Nozizeptor-Schmerz, auch "Schmerzempfänger-Schmerz" genannt:

Hierzu gehören alle Schmerzen, deren Ursache in der Reizung der Schmerzrezeptoren liegt. Die Schmerzen werden unterschiedlich empfunden und auch lokalisiert, abhängig davon, wo sich der Ort der Reizung befindet. Auslöser können mechanische Schädigungen der Hautoberfläche sein (Verbrennung, Schnittwunde etc.) oder auch eine Entzündung (Zahnschmerzen, Wundschmerzen). Vom Betroffenen werden diese Schmerzen oft als brennend oder messerscharf empfunden. Bei diesem durch Schädigung der Körperoberfläche ausgelösten Schmerz werden die Schmerzen oft auch unmittelbar an dieser Stelle empfunden (Oberflächen-Schmerz). Oft entstehen diese Schmerzen aber auch durch eine Störung der Schmerzsensoren im Körperinneren, beispielsweise durch eine Gastritis, dann werden diese Schmerzen oft auch an die Körperoberfläche übertragen. Man spricht dann bei diesen Eingeweide- oder Viszeral-Schmerzen auch von "übertragenen" Schmerzen. Diese viszeralen Schmerzen fühlen sich dagegen oft dumpf und drückend an und sind dadurch oft schlecht zu orten, insbesondere bei Nieren- oder Gallenkoliken.

Neurogener Schmerz:

Wird im Volksmund auch Nervenschmerz genannt und geht meist direkt vom Nervensystem aus. Ein klassisches Beispiel ist hier der sogenannte "Phantomschmerz" nach Amputationen. Der neurogene Schmerz fühlt sich meist stechend oder auch brennend an. Als Ursache kommen hier auch Stoffwechselerkrankungen, Verletzungen, Infektionen oder sogar auch wachsende Tumoren in Frage. Ein typischer Vertreter davon ist auch die diabetische Neuropathie, das sind meist Beschwerden, die durch Nervenschädigungen bei einer langjährigen Zuckerkrankheit hervorgerufen werden.

Was ist ein Phantomschmerz?

Darunter leidet die Mehrzahl der Menschen, denen Gliedmaßen amputiert wurden, man geht dabei von einer Zahl von achzig Prozent aus. An den nicht mehr vorhandenen Gliedmaßen spüren diese Menschen ein Stechen oder Brennen, den sogenannten Phantomschmerz. Vermutlich liegt die Ursache darin, dass die zuständigen Nervenzellen "arbeitslos" werden und es kommt zu ständigen Fehlmeldungen ins Gehirn, solange bis eine Umprogrammierung stattfindet. Dies wird dann als Schmerz wahrgenommen. Auch hier hat sich in vielen Fällen die medizinische Hypnose als hilfreich erwiesen. DF

Was ist Migräne?

Die Migräne ist eine neurologische Erkrankung, unter der bis zu zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden. Dabei tritt sie bei Frauen etwa dreimal so häufig auf wie bei Männern. Das besonders vielgestaltige Krankheitsbild erschwert oft eine eindeutige Diagnose und Behandlung. Es gibt periodisch wiederkehrende Migräne, anfallartige, pulsierende und halbseitigen Kopfschmerz. Oft wird dies von zusätzlichen Symptomen wie Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Lärmempfindlichkeit (Phonophobie) und sogar Übelkeit und Erbrechen begleitet. In einzelnen Fällen kann die Migräne sogar auch auf Hals und Nacken ausstrahlen.DF

Beispiele von bekannten Schmerzmitteln:

Rezeptfreie Medikamente gehören fast alle zu den Entzündungshemmern mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure. Bekannt sind hier Aspirin, Ibuprofen oder auch Piroxicam und Naproxen. Meist helfen diese Präparate bei Kopf- und Gelenkschmerzen. Die Wirkung wird erzielt, indem sie ein Enzym blockieren. Das Problem dabei ist allerdings, dass sie auch die Magenwand vor Magensäure schützen und die Blutgerinnung steuern. Deshalb werden in vielen Publikationen als mögliche Nebenwirkungen Magenblutungen, Magenschmerzen, erhöhter Blutdruck und ein gesteigertes Schlaganfall-Risiko genannt. Offene Wunden können zudem sehr lange bluten, das kann zum Problem werden, wenn zum Beispiel der Hautarzt eine kleine Operation an der Hautoberfläche durchführen muss, z.B. bei der vorsorglichen Entfernung von Hautwucherungen, Muttermalen etc. als vorbeugende Maßnahme gegen Hautkrebs. Man sollte also immer sicherstellen, dass man vor bevorstehenden Operationen (auch kleineren Eingriffen an der Hautoberfläche) keine derartigen Präparate eingenommen hat. Meist wird das aber auch von den behandelnden Ärzten im Vorwege gesagt oder abgefragt bzw. durch präoperative Blutabnahme der aktuelle Bluitgerinnungswert bestimmt.

Ein weiteres Schmerzmittel ist Paracetamol, dieses wird oft besser vertragen. Zwar hilft dieses meist nicht gegen Entzündungen, lindert aber meist Fieber und Schmerzen. Hier gilt wie bei den anderen Schmerzmitteln auch ein unbedingter Verzicht von Alkohol, bei zu häufiger Einnahme kann auch die Leber geschädigt werden. Deshalb sollte man höchstens zweimal pro Monat aus Eigeninitiative Schmerzmittel nehmen, im Zweifelsfall oder bei länger anhaltenden Schmerzen muss immer ein Arzt oder Therapeut konsultiert werden. Besonders ist auch darauf zu achten, diese Schmerzmittel auf keinen Fall zu mischen, da dies oft tagelang die Blutgerinnung stört.

 

Weitere Beispiele - rezeptpflichtige Medikamente:

Hier spricht man von sogenannten Entzündungshemmern, diese sind rezeptpflichtig, wenn sie höher dosiert sind. Zum Beispiel Paracetamol über 500 mg oder auch Diclofenac ab 50 mg. Andere Schmerzmittel, sogenannte Opioide, die auf Morphium-Varianten beruhen, wirken direkt im Schmerzzentrum in Rückenmark und Hirn. Sie haben damit nicht die Nebenwirkungen der Entzündungshemmer, weil sie den körpereigenen Endorphinen ähneln, aber es besteht Suchtgefahr!  Diese Opioide werden bei Schmerzarten wie z.B. Nerven-, Phantom-, Rückenschmerzen eingesetzt, nicht aber bei Kopfschmerzen! Ganz wichtig ist hierbei, dass Menge und Häufigkeit von einem Arzt nach gründlicher Untersuchung und Diagnose festgelegt werden. Auf keinen Fall sollte man die vom Arzt vorgegebene Menge und Häufigkeit selbst verändern!DF

Welche Schmerz-Medikamente gibt es für Kinder?

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist der Stoffwechsel bei Kindern besonders aktiv. Da Kinder andererseits die Schmerzen genauso wie Erwachsene fühlen, benötigen Sie eigentlich auch fast die gleichen Mengen, vertragen aber viel weniger. Hinzu kommt das Risiko, dass die meisten Präparate angeblich nur an Erwachsenen getestet worden sind. Auch aus diesem Grund sollte man bei Kindern nur im äußersten Notfall und nur nach ärztlicher Beratung zu Schmerzmitteln greifen. In vielen Fällen wird dann zum Beispiel Paracetamol - maximal dreimal am Tag (100-250 mg für Vorschulkinder, sonst 500g) gegeben. Wie man den Medien entnehmen kann, kommt es bei Kindern immer wieder zu tödlichen Paracetamol-Überdosierungen, deshalb immer auf Nummer Sicher gehen und vorher einen Arzt konsultieren! Oft sind die guten alten Hausmittel völlig ausreichend, um einen kurzfristig auftretenden Schmerz zu lindern, dies wird nach wie vor von vielen Eltern unterschätzt. So kann man beispielsweise bei Hals- und Ohrenschmerzen Zwiebeln dämpfen und in einem Säckchen auflegen. Bei Rachenschmerzen lindert oft ein Kartoffelwickel den Schmerz. Hierbei werden einige Kartoffeln gekocht, gestampft und in eine alte Strumpfhose gepackt und um den Hals gewickelt. Haben Kinder Gelenksentzündungen oder Gelenksschmerzen, hilft oft schon das Auflegen eines Quark- oder Eisbeutels. Kleinkinder, die Schmerzen beim Zahnen haben, kann man die handelsüblichen Schmerzgels aus der Apotheke geben bzw. vom Apotheker etwas Meaverin mit Glycerin mischen lassen und zur Betäubung einreiben.

 

Welche Hausmittel gibt es noch?

1. Pfefferminze: kann gegen Kopfschmerzen helfen: heiß und lange duschen. Danach Pfefferminzöl auf Stirn, Schläfen und Nacken einreiben und die Dämpfe einatmen.

2. Salbei: Salbeitee ist oft hilfreich bei Halsschmerzen. Man kocht die Kräuter (1 TL auf 250 ml heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen). Wenn es dann abgekühlt ist, damit mehrmals am Tag gurgeln.

3. Espresso mit Zitrone: das im Espresso enthaltene Koffein blockiert vermutlich ein Enzym, das an der Freisetzung von Schmerz-Hormonen (Prostaglandine) beteiligt ist. Das Vitamin C der Zitrone ist in vielen Schmerzpräparaten enthalten. Zusammen hilft diese Kombination oft bei Kopfschmerzen.

4. Johanniskraut: Im Falle von Rückenschmerzen erwärmt man rotes Johanniskrautöl auf etwa 40 Grad, tränkt damit eine Kompresse und legt diese auf. Achtung: Bei Einnahme von herkömmlichen Johanniskraut-Tropfen oder -Tabletten (ein beliebter und bekannter Stimmungsaufheller) ist darauf zu achten, dass die Haut dann wesentlich Sonnenbrand-gefährdeter ist und man geht auch davon aus, dass eine regelmäßige Einnahme von Johanniskraut-Präparaten die Wirkung der Antibabypille reduziert, in Einzelfällen sogar aufheben kann!

5. Baldrian und Arnika: Oft ist es hilfreich bei Muskelschmerzen oder Muskelverspannungen, wenn man aus Baldrian oder Arnika eine Tinktur auf die verspannten, gezerrten schmerzenden Muskeln aufträgt und sanft einmassiert. Beide Präparate sind auch als Tropfen erhältlich, helfen angeblich auch bei der Wundheilung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass diese und andere bekannte Hausmittel bei vielen leichten Schmerzen eine Hilfe sein können, ohne den Körper zu belasten. Bleiben die Schmerzen über einen längeren Zeitraum unverändert oder werden sogar stärker, muss in jedem Fall ein Arzt oder Therapeut konsultiert werden.DF

Hilfreiche und interessante Links zum Thema Schmerzen:

 

LebenOhneSchmerz

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

DeutschesSchmerzZentrum

Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V.

DasPowerPrinzip.de

Prof. Dr. Ruppert, MünchenDF

© Ratgeber-Leben.com · Konrad Nagl· Dinter Verlag GmbH

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